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07. August 2026 · 4 Min Lesezeit

Kompressionsstrümpfe nach einer Operation: Wann sind sie heute noch sinnvoll?

Kompressionsstrümpfe nach einer Operation: Wann sind sie heute noch sinnvoll?

Kompressionsstrümpfe gehören nach orthopädischen Operationen seit vielen Jahren zur Standardversorgung. Eine aktuelle Metaanalyse stellt diesen routinemäßigen Einsatz jedoch infrage und zeigt, warum eine individuelle Risikobewertung heute wichtiger ist als pauschale Empfehlungen.

Nach einer Knie- oder Hüftoperation erhalten viele Patientinnen und Patienten Kompressionsstrümpfe. Sie sollen das Risiko für eine Venenthrombose senken und gehören seit Jahren zur routinemäßigen Nachbehandlung. Gleichzeitig bekommen die meisten Betroffenen eine medikamentöse Thromboseprophylaxe.


Doch ist die zusätzliche Anwendung von Kompressionsstrümpfen unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch notwendig? Eine aktuelle Metaanalyse aus dem Jahr 2025 hat genau diese Frage untersucht.



Warum ist eine Thromboseprophylaxe so wichtig?


Nach einer Operation besteht vorübergehend ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in den tiefen Beinvenen. Gründe dafür sind unter anderem die eingeschränkte Mobilität, der operative Eingriff selbst und die natürliche Reaktion des Körpers auf die Verletzung.

Löst sich ein solches Blutgerinnsel und gelangt in die Lunge, kann es zu einer Lungenembolie kommen. Um dieses Risiko zu verringern, kommen verschiedene Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe zum Einsatz.


Dazu gehören vor allem:

  1. eine frühzeitige Mobilisation,
  2. eine medikamentöse Thromboseprophylaxe und
  3. in bestimmten Situationen mechanische Maßnahmen wie medizinische Kompressionsstrümpfe.



Was wurde untersucht?


Die Forschenden werteten die Ergebnisse mehrerer Studien aus, in denen Patientinnen und Patienten aus der Orthopädie und Unfallchirurgie untersucht wurden. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Kompressionsstrümpfe einen zusätzlichen Nutzen bieten, wenn bereits eine leitliniengerechte medikamentöse Thromboseprophylaxe erfolgt.



Die Ergebnisse


Die Analyse zeigt ein klares Bild: Für Patientinnen und Patienten, die bereits eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erhalten, ließ sich kein zusätzlicher Nutzen durch Kompressionsstrümpfe nachweisen.


Das bedeutet nicht, dass Kompressionsstrümpfe grundsätzlich wirkungslos sind. Vielmehr zeigt die aktuelle Evidenz, dass ihr routinemäßiger Einsatz nicht automatisch einen zusätzlichen Schutz bietet, wenn bereits eine wirksame medikamentöse Prophylaxe durchgeführt wird.



Was bedeutet das für die Praxis?


Die Ergebnisse sprechen dafür, den Einsatz von Kompressionsstrümpfen künftig individueller zu betrachten.

Anstatt sie nach jedem operativen Eingriff standardmäßig zu verordnen, sollte geprüft werden, ob im Einzelfall tatsächlich ein zusätzlicher Nutzen zu erwarten ist. Das kann beispielsweise bei Patientinnen und Patienten mit einem besonders hohen Thromboserisiko oder dann der Fall sein, wenn eine medikamentöse Prophylaxe nicht möglich oder nur eingeschränkt geeignet ist.

Damit rückt die individuelle Risikoabwägung stärker in den Mittelpunkt der Versorgung.



Vorteile einer gezielten Anwendung


Ein differenzierter Einsatz von Kompressionsstrümpfen kann sowohl Patientinnen und Patienten als auch medizinisches Personal entlasten.

Werden Kompressionsstrümpfe nur dort eingesetzt, wo sie tatsächlich einen nachgewiesenen Nutzen erwarten lassen, können unnötige Standardmaßnahmen vermieden werden. Das reduziert unter anderem den Aufwand beim An- und Ausziehen der Strümpfe und kann den Komfort für viele Betroffene erhöhen.

Gleichzeitig werden pflegerische Ressourcen gezielter eingesetzt, ohne die Patientensicherheit zu beeinträchtigen.



Evidenz entwickelt sich weiter


Die neuen Erkenntnisse bedeuten nicht, dass die bisherige Versorgung grundsätzlich falsch war. Medizinisches Wissen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Maßnahmen, die über viele Jahre als Standard galten, werden regelmäßig anhand neuer wissenschaftlicher Daten überprüft.


Genau darin liegt ein wesentlicher Bestandteil der evidenzbasierten Medizin: Bestehende Empfehlungen werden hinterfragt und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten die wirksamste und gleichzeitig möglichst schonende Behandlung anzubieten.



Fazit


Die aktuelle Studienlage legt nahe, dass Kompressionsstrümpfe nach orthopädischen Operationen nicht mehr routinemäßig eingesetzt werden sollten, wenn bereits eine leitliniengerechte medikamentöse Thromboseprophylaxe erfolgt.


Statt einer pauschalen Standardversorgung spricht die Evidenz für eine individuelle Entscheidung auf Grundlage des persönlichen Risikoprofils. So können medizinische Maßnahmen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen für Patientinnen und Patienten bieten.



Literatur

Stengel, D., Schnorbus, D., Ekkernkamp, A., Münzberg, M., Schmucker, B., Kassar, L. E., Rohrmann, F. & Grützner, P. A. (2025). Graduated Compression Stockings for Thromboprophylaxis in Orthopaedic and Trauma Surgery: A Rapid Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Medicine, 14(23), 8578. https://doi.org/10.3390/jcm14238578


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